Lagebericht BERNEXPO GROUPE

Sehr geehrte Aktionärinnen, sehr geehrte Aktionäre
Die Geschäftstätigkeiten der BERNEXPO GROUPE wurden das zweite Jahr in Folge durch die Coronakrise stark beeinträchtigt. Die von Bund und Kantonen verfügten Restriktionen hatten insbesondere im ersten Halbjahr 2021 erneut einen grossen negativen Einfluss auf unser Kerngeschäft. Erst ab August konnten wieder Eigen- und Gastveranstaltungen auf dem BERNEXPO-Gelände durchgeführt werden. Während zu Beginn des abgelaufenen Geschäftsjahres das Volumen bei den Fachmessen zum Teil noch wesentlich hinter dem Vor-Pandemie-Niveau zurückblieb, übertrafen beim Suisse Caravan Salon – der wichtigsten Camping- und Caravaning-Veranstaltung der Schweiz – die Besucherzahlen erfreulicherweise sogar die Werte von 2019. Der dadurch wiedergewonnene Optimismus wurde Ende Jahr leider durch die sich rasch ausbreitende Omikron-Variante gestoppt. Trotz rascher Strukturanpassungen, maximaler Kurzarbeit und strikten Kostenmanagements entstand aufgrund der hohen Fixkosten und des fehlenden Umsatzes aus dem ersten Halbjahr ein negatives Betriebsergebnis. Nur dank der Härtefallgelder von Bund und Kanton konnte ein ausgeglichenes Jahresergebnis auf Gruppenebene erreicht werden.

Lagebericht

Aufgrund der behördlichen Auflagen mussten im ersten Halbjahr 2021 sämtliche physischen Eigen- und Gastveranstaltungen abgesagt oder verschoben werden. Dazu gehörte auch unsere traditionelle Frühlingsmesse BEA, die somit leider zum zweiten Mal in Folge nicht stattfinden konnte. Auch grosse Fachplattformen wie die Suisse Public (Leitmesse für öffentliche Betriebe und Verwaltungen) oder grosse Gastveranstaltungen wie die AGRAMA (Fachmesse für Land- und Forsttechnik) mussten aufgrund fehlender Vorlaufzeit und mangelnder Planungssicherheit abgesagt werden. Mit der Suisse Public Smart und der INNOTEQ.DIGITAL konnten zumindest zwei rein digitale Formate umgesetzt und wertvolle Erfahrungen gesammelt sowie neue Fähigkeiten aufgebaut werden. In den Monaten August bis Anfang November konnten unter anderem die führende Order- und Community-Plattform ORNARIS, die Leitmesse für industrielle Automatisierung SINDEX, die Berufs- und Bildungsmesse BAM, die Bildungs-Branchenplattform Swissdidac sowie der Suisse Caravan Salon erfolgreich durchgeführt werden. Im August und September waren die Umsätze 30 bis 45% niedriger als  in den Jahren vor der Pandemie. Im Oktober erholte sich das Geschäft zusehends. Der Suisse Caravan Salon war neben der bereits erwähnten, hervorragenden Besucherzahlen auch hinsichtlich des Umsatzes ein voller Erfolg und bewegte sich wieder auf dem gleichen Niveau wie vor der Pandemie. Gleiches gilt für die erfolgreiche Durchführung der Gastmesse transport-CH. Ein wichtiges und wertvolles Zusatzgeschäft konnte dank hoher Flexibilität in der Planung und Disposition des Impfzentrums für den Kanton Bern sowie von Testzentren für verschiedene Veranstaltungen und Vereine erzielt werden. Auch mit der temporären Teilnutzung der Halle 1 für die Konfektionierung von Covid-Testmaterial in grossem Umfang konnte zusätzlicher Umsatz ausserhalb unseres Kerngeschäfts erzielt werden.

 

Striktes Kostenmanagement

Das strikte Kostenmanagement des ersten Pandemiejahres wurde weitergeführt und es konnten gegenüber 2020 nochmals Einsparungen erzielt werden, ohne unser Kerngeschäft und die vorhandenen Fähigkeiten in unserem Unternehmen zu gefährden. Kurzarbeit und intensive Verhandlungen mit Lieferanten, Vermietern, Verbänden sowie Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartnern über Nachlässe, Stundungen und bessere Konditionen bildeten hierbei die Schwerpunkte. Durch das Zusammenlegen zweier verschiedener Bürostandorte in ein gemeinsames Grossraumbüro entstanden nicht nur grosse Einsparungen bei den Mietkosten, sondern es konnten auch zusätzliche wichtige Vorteile – wie eine verbesserte bereichsübergreifende Zusammenarbeit und Kommunikation sowie das konsequente Nutzen von Synergiepotential – erzielt werden.

 

Organisatorische Anpassungen

Per 1. März 2021 hat der neue CEO Tom Winter als Nachfolger von Jennifer Somm die Führung des Unternehmens übernommen. Hochmotiviert und mit grossem Engagement setzt er sich für die Bewältigung der aufgrund der Pandemie besonders anspruchsvollen operativen Aufgaben, weitere Kostenoptimierungen, nachhaltige Produktivitätssteigerungen sowie die Entwicklung und Akquisition neuer Geschäftsfelder ein. Tom Winter hat sich rasch eingelebt und wichtige Akzente gesetzt, damit unsere Organisation und unser Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen werden. Jan Gilgen wurde per 1. Juni zum neuen CFO und Nachfolger von Bruno Battaglia ernannt. Damit konnte eine erfolgreiche interne Nachfolge im Sinne der angestrebten Mitarbeiterförderung realisiert werden.

Wie eingangs erwähnt wurde die BERNEXPO GROUPE im Verlauf des vergangenen Geschäftsjahres weiter reorganisiert: Die Strukturen wurden angepasst, um das Unternehmen noch effizienter auszurichten. Es ist somit für die Zukunft schlank, agil und schlagkräftig aufgestellt, sodass neu aufkommendes Geschäftspotential optimal genutzt werden kann. Während der Co-Verwaltungsratspräsident Peter Stähli das Präsidium von Franziska von Weissenfluh per Generalversammlung 2021 vollumfänglich übernommen hat, wurde die Anzahl der aktiven Verwaltungsrätinnen und Verwaltungsräte bei fünf Mitgliedern belassen und eine Ergänzung nicht zuletzt aus Kostengründen auf die Generalversammlung 2022 vertagt. Zudem wurden die beiden Tochtergesellschaften together AG und Talendo AG fusioniert. Diese agieren in Zukunft noch effizienter unter demselben Dach als together AG. Talendo wird künftig als reine Angebotsmarke weitergeführt.

 

Stärken festigen

Die BERNEXPO GROUPE bewegt sich in einem gleichermassen vielfältigen wie anspruchsvollen Spannungsfeld: Beschaffungs-, Informations- und Dienstleistungsmärkte sind weiter von einer beschleunigten Digitalisierung und vom Wandel geprägt. Gleichzeitig hat die Pandemiezeit die Grenzen rein digitaler Kontakte klar aufgezeigt. Das menschliche Bedürfnis nach physischem und direktem Austausch zur Meinungsbildung, zum Wissenstransfer und zur Entscheidungsfindung besteht unverändert fort. Der Wert unmittelbarer und persönlicher Begegnungen wird damit eindrücklich bestätigt. Diese Herausforderungen werden von den Branchen und den einzelnen Formaten unterschiedlich bewältigt: B2B-Beschaffungsmessen, Branchentreffen, Publikumsplattformen, Kongresse, Geschäftsanlässe und Kulturveranstaltungen werden neu definiert und in vielen Fällen bieten sich zukunftsträchtige Chancen, anhand derer Veranstaltende ihre Anlässe neu gestalten, strukturieren und inhaltlich schärfen können. Genau darauf ist unsere Strategie ausgerichtet: Mit den vier Schwerpunkten Gastgebertum, Umsetzungsstärke, Daten und Simplicity entwickeln wir uns konsequent weiter. Wir untermauern damit unsere Stärken und bauen unsere Fähigkeiten gezielt aus, um als modernes Live-Kommunikationsunternehmen am Markt noch agiler und mit noch mehr Kundennähe Erfolge zu feiern. Die BERNEXPO GROUPE hat beste Voraussetzungen dafür, gestärkt aus der aktuellen Phase hervorzugehen. Die existierende Vielfalt der Formate und die zentrale Lage in der Hauptstadt kann sich im aktuellen Umfeld zu einem echten USP entwickeln. Das Leuchtturmprojekt Neue Festhalle wird genau diese Formatflexibilität nochmals substanziell steigern.

 

Geschäftsverlauf

Die schwierigen Rahmenbedingungen für unser Kerngeschäft hatten auch im zweiten Jahr der Pandemie einen massgeblichen Einfluss auf die Resultate des vergangenen Geschäftsjahres. Basierend auf dem Umstand, dass im ersten Halbjahr zwar digitale Formate, aber keine Live-Messen und -Events umgesetzt werden konnten, lag der Umsatz wie bereits im Vorjahr rund 50% unter den normalen Erträgen von vor der Pandemie. Der konsolidierte Umsatz der BERNEXPO GROUPE für das Geschäftsjahr 2021 beträgt CHF 22,8 Mio. (Vorjahr CHF 24,4 Mio.).

Der Betriebsaufwand konnte dank neuerlicher Effizienzsteigerungen und striktem Kostenmanagement gegenüber dem Vorjahr um weitere 5% auf CHF 33,6 Mio. gesenkt werden. Klare Grenzen setzen hier die hohen Fixkosten im Bereich der Mieten und der Infrastruktur. Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) beträgt CHF –10,8 Mio. (Vorjahr: CHF –10,9 Mio.). Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) liegt bei CHF –13,2 Mio. (Vorjahr: CHF –17,1 Mio.) und das konsolidierte Jahresergebnis dank der umfangreichen Härtefallentschädigungen bei CHF 0,5 Mio. (Vorjahr: CHF –16,1 Mio.).

Der Cashflow beträgt CHF 3,7 Mio. (Vorjahr: CHF –15 Mio.) Die konsolidierte Eigenkapitalquote liegt im Berichtsjahr bei 67,4% (Vorjahr 67,8%). Die BERNEXPO GROUPE verfügt nach wie vor über eine sehr gesunde Bilanz.

Nachdem der durchschnittliche Personalbestand der BERNEXPO GROUPE 2019 noch 140 Vollzeitangestellte betrug, reduzierte er sich innerhalb von zwei Jahren durch die strukturellen Anpassungen und den Verkauf der Tochtergesellschaft Republica auf 99 voll beschäftige Personen. Dabei wurden Fähigkeiten im Bereich Digital Marketing sowie im Facility Management internalisiert. Wir sind nun schlank organisiert und mit einer weiteren Reduktion ist nicht zu rechnen.

Aufgrund des Bezugs von staatlicher Unterstützung in Form von Härtefallgeldern darf die BERNEXPO AG bis zum Geschäftsjahr 2024 (GV 2025) keine Dividenden ausrichten.

 

Risikomanagement

Zusammen mit der Geschäftsleitung hat der Verwaltungsrat die jährliche Risikobeurteilung vorgenommen. Der Bewertung und Gewichtung aller relevanten Risiken und Schadenspotentiale in Funktion ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit folgte eine entsprechende Massnahmenplanung. Dem Ziel der Risikominimierung wurde aufgrund der Pandemie und deren Einfluss auf unsere Geschäftstätigkeit besondere Beachtung geschenkt.

 

Ausblick

Wir haben die Krise genutzt und unser Unternehmen auf Optimierungspotential hin untersucht, die Organisationsform angepasst und alle Abläufe auf mehr Effizienz und eine höhere Profitabilität getrimmt. Mit einer schlanken Struktur, effizienten Prozessen und einer überdurchschnittlichen Servicequalität mit echten Mehrwerten für unsere Kundinnen und Kunden gehen wir gestärkt aus einer schwierigen und anspruchsvollen Phase hervor. Nach einem Unterbruch von zwei Jahren stellt die Durchführung der BEA – als unsere wichtigste Messe – das absolute Highlight und einen echten Gradmesser für das erste Halbjahr 2022 dar. Als lernende und dynamische Unternehmung ist es uns wichtig, die sich ändernden Bedürfnisse und Trends laufend zu adaptieren und die Formate entsprechend rasch anzupassen. Wertvolle Erfahrungen, wie wir sie 2021 mit der erfolgreichen Lancierung der digitalen Plattform BAM.Connect gemacht haben, werden wir im neuen Geschäftsjahr auf einer soliden Basis ausbauen. Diese und andere Aktivitäten im Umfeld der internen und externen Digitalisierungsprojekte erlauben es uns, das angestammte Geschäft wertvoll zu erweitern.

Im Frühjahr 2021 haben das Stadtberner Stimmvolk und der Grosse Rat des Kantons Bern Ja zu einem zeitgemässen und zukunftsträchtigen Neubau der Festhalle auf dem BERNEXPO-Gelände gesagt. Nun hat sich der Fahrplan für die Neue Festhalle konkretisiert und der damals kommunizierte Baustart im Frühling 2022 wird um ein Jahr später angesetzt. Die Messepark Bern AG legt den Fokus für die Eröffnung der Neuen Festhalle auf das Jahr 2025. Die Gründe für die strategische Anpassung sind die gegenwärtig sehr unsichere Lage bei der Preisbildung, die eingeschränkte Verfügbarkeit von Materialien sowie logistische Herausforderungen infolge des Ukraine-Krieges und der Corona-Pandemie. Hinzu kommen mögliche Terminverzögerungen im Hinblick auf das Baubewilligungsverfahren. Der nach der BEA 2023 angesetzte Baustart schafft im aktuell für Bauprojekte sehr unsicheren Umfeld zusätzliche Planungszeit. Zudem wird es der BERNEXPO GROUPE mit diesem Vorgehen ermöglicht, optimal auf das sehr grosse Veranstaltungsbedürfnis nach der Corona-Pandemie zu reagieren. Mit einem späteren Rückbau der alten Festhalle kann der sehr grossen Location-Nachfrage besser nachgekommen werden und das Gesamtangebot im Jahr 2022 kann in Kompensation zu den letzten beiden Jahren aufrechterhalten werden. Mit der Eröffnung der Neuen Festhalle im Minergie-Standard und als verkehrstechnisch bestens erschlossene Lokalität im Herzen der Schweiz ergeben sich für unser Unternehmen neue Möglichkeiten und ein interessantes Geschäftspotential im Bereich von kulturellen Anlässen, Sportveranstaltungen und den sogenannten Conventions, einer Mischung aus Kongressen und Ausstellungen. Dank der modernen Multifunktionshalle mit einem der höchsten Digitalisierungsgrade der Schweiz sowie einer überdurchschnittlichen Dienstleistungsqualität werden wir neue Impulse setzen können.

Das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres 2022 war aufgrund der sich rasch verbreitenden Virusvariante Omikron von den einschränkenden Massnahmen von Bund und Kanton geprägt. Es mussten praktisch alle geplanten Messeformate und Veranstaltungen verschoben oder abgesagt werden. Die per Mitte Februar erfolgten umfangreichen Öffnungsschritte versprechen eine Rückkehr zu normalen Geschäftsbedingungen ab dem zweiten Quartal. Entsprechend positiv entwickelt sich auch die Nachfrage: Für den kommenden Winter rechnen wir noch mit einem gewissen Einfluss der Pandemie auf unser Geschäft, aber mit weniger gravierenden Einschränkungen. Wir setzen alles daran, im neuen Geschäftsjahr ein ausgeglichenes Resultat zu erreichen.

Der gesamte Verwaltungsrat bedankt sich bei der Geschäftsleitung und allen Mitarbeitenden für das uneingeschränkte Engagement während der andauernden Pandemie im Geschäftsjahr 2021. Bei Ihnen, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, bedanken wir uns für Ihre Treue zu unserem Unternehmen in dieser für uns alle anspruchsvollen Zeit.

 

Peter Stähli                                                                 
Präsident des Verwaltungsrates                              

Zurück